Rückblick: Frauen im Blick am 10. März 2008
Weiblich und weltoffen: Frauenleben international

Angeregt plaudernde Damen, wohin das Auge reicht – rund 700 Besucherinnen aus Hamburg und Umgebung waren am 10. März 2008 der Einladung zum „Feierabend für engagierte und neugierige Frauen“ gefolgt, knüpften Kontakte zu den 32 norddeutschen Frauenverbänden und -netzwerken aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung, genossen bei Prosecco und einem Imbiss die schöne Atmosphäre der Börsenhalle in der Handelskammer Hamburg und lauschten der prominent besetzten Talkrunde von NDR-Moderatorin Julia-Niharika Sen zum Thema „Weiblich und weltoffen: Frauenleben international“.

Angeregt plaudernde Damen, wohin das Auge reicht – rund 700 Besucherinnen aus Hamburg und Umgebung waren am 10. März 2008 der Einladung zum „Feierabend für engagierte und neugierige Frauen“ gefolgt, knüpften Kontakte zu den 32 norddeutschen Frauenverbänden und -netzwerken aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung, genossen bei Prosecco und einem Imbiss die schöne Atmosphäre der Börsenhalle in der Handelskammer Hamburg und lauschten der prominent besetzten Talkrunde von NDR-Moderatorin Julia-Niharika Sen zum Thema „Weiblich und weltoffen: Frauenleben international“.

„Ich glaube, ich habe auch deshalb so wenig Schwierigkeiten bei meinen vielen Auslandsaufenthalten gehabt, weil ich schnell Sprachen lerne,“ räumt Sängerin und Politikerin Vicky Leandros ein, die im fünften Lebensjahr mit ihren Eltern nach Deutschland kam und sich seit Jahrzehnten erfolgreich auf internationalem Parket bewegt. „Die Sprache ist einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg. Wenn es möglich ist, sollten Eltern ihre Kinder deshalb viel ins Ausland schicken, damit sie die Sprachen lernen und sich mit fremden Kulturen auseinander setzen. Das öffnet.“
Eine der öffnenden, fremden Kulturen hat für die mehrfach ausgezeichnete koreanische Filmemacherin Sung-Hyung Cho („Full Metal Village“) ihre Wurzeln in Deutschland. Im Rahmen ihres Philosophie- und Kunstgeschichts-Studiums ist sie nach Deutschland gekommen. Die Freigeister Heine, Schopenhauer und Nietzsche hatten es ihr angetan. Mehr als irritiert war sie dann, hierzulande zu bemerken, wie wenig Deutsche diese Liebe zu ihren Dichtern und Denkern teilen. „Viele Deutsche tun sich schwer mit ihrer Identität. Das macht es sehr schwierig für uns Ausländer, uns in eine Gesellschaft zu integrieren, mit der die Deutschen selbst Schwierigkeiten haben.“ Ein großes Manko für den offenen, neugierigen Kontakt zwischen In- und Ausländern sieht Sung-Hyung Cho im Bildungssystem. „Die Deutschen lernen in der Schule wenig über nicht europäische Kulturen.

Wer aber nichts von der 5-tausendjährigen Kultur eines anderen weiss, kann ihm schwerlich mit Respekt und Anerkennung begegnen.“ Aygül Özkan, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft selbständiger Migranten und Mitglied des Integrationsbeirats der Freien und Hansestadt Hamburg, ist in Hamburg aufgewachsen und schätzt so mache deutsche Eigenschaft sehr: „Ich bin froh, dass ich Tugenden gelernt habe wie verbindlich zu sein, organisieren zu können und mir Ziele zu setzen, von ihnen zu träumen und mich für sie einzusetzen.“ Ihre Bi-Nationalität erlebt sie als große Chance: „Ich genieße auf der anderen Seite den Luxus, eine emotionale, temperamentvolle Türkin zu sein.“ Dieses Potential habe die hiesige Wirtschaft noch nicht ausreichend erkannt. „Die Unternehmen müssen lernen, ihren Blick zu öffnen für das, was junge Bewerber mit Migrationshintergrund an Kompetenzen mitbringen. Es gibt noch zu viele Einstellungstests mit interkulturellen Fallen, die in Wirklichkeit nichts über die Qualifikation und Stärken der Bewerber aussagen.“ Karen Johnson, amerikanische Generalkonsulin, kam im Zuge ihrer diplomatischen Karriere nach Deutschland. Sie ist eine der Frauen, die mit zäher Beharrlichkeit viele Türen für ihre Geschlechtsgenossinnen aufgestoßen hat. „Als ich Anfang der 70ger Jahren in den USA in den Diplomatischen Dienst gehen wollte, war dort eine Karriere für Frauen eigentlich noch nicht vorgesehen. Ich habe mein Leben lang erfolgreich dafür gekämpft, dass ich alle meine Talente einsetzen konnte.“ Und auch die Rechtslage hatte sich gerade noch rechtzeitig für ihre Diplomatenkarriere geändert, die mit ihrer Eheschließung jäh zu scheitern drohte. „Einen Tag nach meiner Hochzeit 1973 kam meine Vorgesetzte zu mir und sagte mir, dass ich als verheiratete Frau nun kündigen müsse. Ich fiel aus allen Wolken. Doch ich hatte Glück, denn der Amerikanische Präsident hatte gerade per Erlass verfügt, dass auch verheiratete Frauen erwerbstätig bleiben dürfen.“ Ihr Resumee: „Wir Frauen haben sehr viel erreicht in den vergangenen dreißig Jahren. Ich denke, dass ist einen Applaus wert.“ Auf dem internationalen Parkett hat Karen Johnson ihr Frau-Sein nicht als Hindernis erlebt. „Ob in Korea, Afghanistan oder Deutschland, es war für mich immer einfach, mit Männern zusammen zu arbeiten. Ich liebe Männer. Natürlich darf eine Frau nicht hingehen und denken: Ich bin eine Frau, ich darf alles machen, was ich will. Frauen, die Erfolg haben wollen, müssen ehrlich sein, müssen zu sich stehen, und im Wissen, dass wir immer Menschen begegnen, menschlich miteinander umgehen.“

Das war das Programm

18.00 Uhr
Ankommen bei musikalischen Impulsen von der Gitarristin und Sängerin Gabriella Schazad. Eröffnung durch die Erste Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Barbara Duden,
Dr. Karl-Joachim Dreyer
, Präses der Handelskammer Hamburg, und Olivia Althaus-Apmann, Vizepräsidentin der IHK zu Lübeck, und Sektempfang und anschließendem Netzwerken mit
32 norddeutschen Frauennetzwerken und -verbänden.
19.30 bis 21.00 Uhr
"Weiblich und weltoffen: Frauenleben international"
Talkrunde
mit der amerikanischen Generalkonsulin Karen Johnson, Aygül Özkan, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft selbständiger Migranten (ATU) und Mitglied des Integrationsbeirats der Freien und Hansestadt Hamburg, der Sängerin und Politikerin Vicky Leandros, der koreanischen Filmemacherin und mehrfach ausgezeichnete Preisträgerin Sung-Hyung Cho ( „Full Metal Village“), und der NDR-Moderatorin Julia-Niharika Sen.
Ort: Börsensaal der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, 20457Hamburg


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