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107 Jahre Internationaler Frauentag

„Für mich soll´s rote Rosen regnen ...” sang einst Hildegard Knef und ließ Frauen von einem selbstbestimmten, aufregenden und erfüllten Leben träumen: von der Möglichkeit, mit Kindern zu leben und berufstätig zu sein, von familiengerechten Arbeitszeiten, der Möglichkeit zur Befriedigung kultureller Bedürfnisse, einer menschenwürdigen Wohn- und Lebensumwelt, der gleichberechtigten Teilhabe von Männern und Frauen an Hausarbeit und Kindererziehung, humanen Politikformen, Toleranz und Frieden.

So verstanden, könnte das Lied das Motto für den Internationalen Frauentag sein. Denn seit seinen Anfängen vor 107 Jahren steht der Internationale Frauentag im Zeichen von freieren und besseren Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen in der ganzen Welt. In den westlichen Demokratien ist vieles davon erreicht worden. Wir sind dem Traum sehr viel näher gekommen. Gerade deshalb lohnt es sich, sich auch weiterhin für die Chancengleichheit und ein selbstbestimmtes Leben stark zu machen.

Die Wurzeln des Internationalen Frauentags liegen in der Arbeiterinnenbewegung um die Jahrhundertwende. Frauen kämpften für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten. Das waren Kämpfe, von denen Frauen in den westlichen Demokratien bis heute profitieren.

Und heute?

107 Jahre, nachdem erstmals Millionen von Frauen in Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA auf die Straße gingen? Gut 45 Jahre, nachdem die neue Frauenbewegung den Tag in Westdeutschland wiederbelebt hat? 22 Jahre, nachdem die 4. Weltfrauenkonferenz in Peking die Geschlechterfrage aus der Unsichtbarkeit der Privatsphäre herausgeholt und das Thema ”Gendermainstreaming” in die politischen Ressorts befördert hat? Und die Diskussion über die Einführung einer Quote in der Privatwirtschaft auch in der deutschen Politik angekommen ist, nachdem Norwegen, Spanien, Frankreich und die Niederlande sie bereits eingeführt haben?

Da gibt der Internationale Frauentag Anlass zu feiern, was vier Frauengenerationen erreicht haben: Wir feiern, dass die jungen Frauen ein Selbstbewusstsein und Lebenschancen haben, von denen ihre Großmütter nur träumen konnten, und dass Frauen in der Erwerbsarbeit, in der Politik, in Institutionen und Medien präsent sind, wie nie zuvor.

Auch wenn diese Feier nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass Frauen auch heute nur selten da präsent sind, wo die politische und wirtschaftliche Macht ist. Dass ihre Teilhabe noch nicht Umverteilung von Ressourcen, Wohlstand und Macht bedeutet. Dass die westlichen Freiheiten für Frauen in vielen Teilen der Welt alles andere als selbstverständlich sind. Die Gewalt, die Frauen und Mädchen nur deshalb angetan wird, weil sie Frauen sind, weltweit sogar zunimmt. Und dass es leider nicht so ganz stimmt, dass die Reste einer Jahrhunderte alten Diskriminierungs- und Gewaltstruktur mit ein bisschen individueller Anstrengung zu meistern wären und kollektive Kämpfe für Rechte nie mehr vonnöten sind. All dies macht im Gegenteil umso deutlicher, dass es gut ist, den 107. Internationalen Frauentag zu feiern. Dass es gut ist, wenn Frauen ihre Netzwerke stärken, sich gegenseitig beflügeln und Kraft geben.

Weitere Informationen zum Internationalen Frauentag und dessen Geschichte finden Sie in diesem PDF zum Downloaden.

Kleine Chronik der Frauenrechte – eine thematisch geordnete Übersicht

Zur Freiheit, sich politisch zu betätigen

Rechte und Pflichten in Ehe und Familie

Arbeitsrechte und Mutterschutz

Gleichstellung in Bildungs- und Berufsperspektiven

Institutionelle Verankerung der Gleichberechtigung

Zur Freiheit, sich politisch zu betätigen

 
1850
"Politischen Vereinen ist die Aufnahme von Frauenspersonen, Schülern, Lehrlingen verboten. Auch dürfen solche Personen nicht an Veranstaltungen und Sitzungen teilnehmen, bei denen politische Gegenstände behandelt werden." (§ 8 des Vereinsgesetzes, gültig bis 1908)
1870
Frauen können erstmals in der Geschichte wählen (im US-Bundesstaat Wyoming am 6. September). (§ 8 des Vereinsgesetzes, gültig bis 1908)
1908
Aufgrund des Reichsvereinsgesetzes können Frauen in Parteien und Gewerkschaften eintreten
Nov. 1918
Frauen erhalten das aktive und passive Wahlrecht in Deutschland. Am 19. Januar 1919 waren 17 Millionen Frauen und 15 Millionen Männer wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung betrug bei den Frauen 82,3% und bei den Männern 82,4%. 310 Frauen hatten kandidiert, 41 Parlamentarierinnen zogen in die Nationalversammlung – das entsprach 9,6% der insgesamt 423 Abgeordneten.
1932
Die Nationalsozialisten verbieten den Internationalen Frauentag
National-
sozialismus
Frauen verloren das passive Wahlrecht. Frauenorganisationen der demokratischen Parteien und Gewerkschaften wurden im Jahre 1933 verboten.
8. März 1947/48
Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen feiern in den vier Besatzungszonen Deutschlands den Frauentag wieder - aber getrennt. In der sowjetischen Zone wird er als "Kampftag der Frauen" begangen. In der DDR wird dieser bis 1989 fortgeführt.
1. Okt. 1950
In der DDR tritt das “Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau” in Kraft. Über 500 Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches wurden damit aufgehoben. An der Formulierung des ersten und einzigen "Frauengesetzes" in der Geschichte der DDR war u.a. die SED-Politikerin Käthe Kern beteiligt, die auch 1948/49 in der Verfassungskommision mitgearbeitet hatte.
Juni/Juli 1975
1. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Mexiko. Auf dieser Konferenz wird ein Weltaktionsplan zur Verbesserung der Situation der Frau vorgestellt.
Juli 1980
2. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Koppenhagen. Aktionsprogramm zu Beschäftigung, Gesundheit, Erziehung und Ausbildung.
Juli 1985
3. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Nairobi
Sept. 1995
Auf der 4. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking verpflichten sich 189 Regierungen, geschlechtsbezogene Perspektiven in alle politischen Entscheidungen und Programme aufzunehmen. Dabei ging es im Wesentlichen um effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Frauen innerhalb der Problemfelder Gewalt gegen Frauen, Armut, Bildung, Gesundheit, Menschenrechte, Frauen in bewaffneten Konflikten, Frauen im Wirtschaftsbereich, Medien, Umwelt, Frauen in einflussreichen Positionen und bei Entscheidungsprozessen

Rechte und Pflichten in Ehe und Familie

 
1. Jan. 1900
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) tritt in Kraft. Seine Regelungen zu Ehe und Familie verankern die Rechtsstellung der Frau im Sinne der patriarchalischen Tradition, d.h. dem Ehemann kommt das Entscheidungsrecht in allen Fragen des Ehe- und Familienlebens zu.
  • Nach der Eheschließung waren Frauen mit Arbeit und Körper dem Mann unterworfen.
  • Der Ehemann hatte das alleinige Entscheidungsrecht in allen Angelegenheiten des gemeinschaftlichen Lebens.
  • Vermögen, das die Frau in die Ehe einbrachte, wurde vom Mann verwaltet, und ihm allein standen die Einkünfte aus diesem Vermögen zu.
  • Hausarbeitsverpflichtung der Ehefrau
1926
Milderung der Abtreibungsstrafe – Gefängnisstrafe statt Zuchthaus
1. Okt. 1950
In der DDR tritt das “Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau” in Kraft. Über 500 Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches wurden damit aufgehoben. An der Formulierung des ersten und einzigen "Frauengesetzes" in der Geschichte der DDR war u.a. die SED-Politikerin Käthe Kern beteiligt, die auch 1948/49 in der Verfassungskommision mitgearbeitet hatte.
1. Juli 1958
Das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des Bürgerlichen Rechts tritt in Kraft. Als wichtigste Änderungen gelten:
  • Das Letzentscheidungsrecht des Ehemanns in allen Eheangelegenheiten wird ersatzlos gestrichen.
  • Die Zugewinngemeinschaft wird gesetzlicher Güterstand. Demnach dürfen Frauen ihr in die Ehe eingebrachtes Vermögen selbst verwalten.
  • Das Recht des Ehemanns, ein Dienstverhältnis seiner Frau fristlos zu kündigen, wird aufgehoben.
  • Die väterlichen Vorrechte bei der Kindererziehung werden eingeschränkt (erst 1979 vollständig beseitigt)
1961
In der Bundesrepublik Deutschland wird die Anti-Baby-Pille zugelassen.
1966
Änderung des Familiengesetzbuchs der DDR: Den Eheleuten wurde empfohlen, ihre Beziehungen so zu gestalten, dass “die Frau ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit mit der Mutterschaft vereinbaren kann.” Hintergrund: Die 50er und 60er Jahre hatten im Zeichen der Integration möglichst vieler Frauen in die Arbeitswelt gestanden. Auch ökonomische Ziele spielten dabei eine große Rolle.
1966
Bericht der Bundesregierung über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft: Darin heißt es unter anderem “Pflegerin und Trösterin soll die Frau sein; Sinnbild bescheidener Harmonie, Ordnungsfaktor in der einzig verlässlichen Welt des Privaten; Erwerbstätigkeit und gesellschaftliches Engagement sollte die Frau nur eingehen, wenn es die familiären Anforderungen zulassen.”
1970
Gesetz über die rechtliche Stellung der nichtehelichen Kinder:
  • Das nicht eheliche Kind gilt ab nun mit dem Vater verwandt und ist damit auch unterhaltsberechtigt und eingeschränkt erbberechtigt.
  • Die Mutter erhält das elterliche Sorgerecht (das in der Regel durch einen Amtsvormund beschränkt wird)
1972/73
Rentenreformgesetz mit folgenden Schwerpunkten:
  • Öffnung der Rentenversicherung für Hausfrauen
  • Einführung einer flexiblen Altersgrenze
Jan. 1974
Fünftes Gesetz zur Reform des Strafrechts: Der Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen wird straffrei.
Febr. 1975
Das Bundesverfassungsgericht hebt die Regelung des Schwangerschaftsabbruchs §§ 218 a des Strafgesetzbuches in der Fassung des Fünften Strafrechtsreformgesetzes (die sogenannte Fristenregelung) als in Teilen unvereinbar mit dem Grundgesetz auf.
1976
Im fünfzehnten Strafrechtsänderungsgesetz wird festgelegt, dass der Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich mit Strafe bedroht ist. Er ist ausnahmsweise nicht strafbar, wenn die Schwangere einwilligt und eine medizinische, eugenische oder kriminologische Indikation oder eine sonstige schwere Notlage vorliegt (sogenannte Indikationsregelung).
1977
Erstes Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts (§1356 I BGB):
  • Die Frau darf ohne Einverständnis des Mannes erwerbstätig sein. Beide regeln im gegenseitigen Einvernehmen die Hausarbeit.
  • Es gilt das Partnerschaftsprinzip: keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe.
  • Das Scheidungsprinzip wird vom Schuld- auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt.
  • Der Ehepartner, der nach der Scheidung nicht für sich selbst sorgen kann, erhält einen Unterhaltsanspruch.
  • Im Eheverfahrensrecht werden die Zuständigkeiten für Ehesachen und damit eng zusammenhängende Verfahren beim Familiengericht vereinheitlicht.
März 1979
Gesetz über Änderung des Ehenamens: Auch Eheleute, die vor dem 1. Juli 1976 geheiratet haben, können innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes den Geburtsnamen der Frau zum Ehenamen bestimmen.
1980
Das Unterhaltsvorschussgesetz wird wirksam. Der alleinerziehende Elternteil erhält bei Zahlungsunwilligkeit oder -fähigkeit des anderen Elternteils vom Staat eine Unterhaltsvorschussleistung für einen begrenzten Zeitraum.
Juni 1984
Die Bundesregierung beschließt die Gründung der “Stiftung Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens”. Die Stiftung gewährt werdenden Müttern, die sich in einer sozialen Notlage befinden, begrenzte finanzielle Hilfen während der Schwangerschaft und nach der Geburt.
Jan. 1986
Hinterbliebenenrenten- und Erziehungszeitengesetz:
  • Rentenbegründende und rentensteigernde Anerkennung eines Versicherungsjahres für die Erziehung jedes Kindes bei allen Müttern ab Geburtsjahrgang 1921, die ab 1986 Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente oder Altersruhegeld erhalten.
  • Frauen und Männer erhalten unter gleichen Voraussetzungen eine Hinterbliebenenrente.
1. April 1986
Das Unterhaltsänderungsgesetz tritt in Kraft
Okt. 1987
Kindererziehungsleistungsgesetz (Gesetz über Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung für Kindererziehung an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921): Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921 erhalten für jedes Kind, das sie lebend geboren haben, eine Kindererziehungsleistung.
1990
Beitritt der DDR zur BRD: Die Gesetzlichen Regelungen, die seit mehr als 40 Jahren in den beiden deutschen Staaten unterschiedlich ausgestaltet waren, werden im Einigungsvertrag vereinheitlicht. Vor allem der § 218ff rückt wieder in den Blickpunkt, da in der DDR die Fristenregelung galt. Weitreichende Errungenschaften der ehemaligen DDR wie die hohe Frauenerwerbsquote werden nicht gehalten.
1991
Namensrecht: Beide Ehepartner können ihren Namen behalten
1992
Rentenreformgesetz: Die Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung wird für Geburten ab 1992 von bisher einem Jahr auf drei Jahre verlängert.
Nov. 1992
Die EG-Mutterschutz-Richtlinie 92/85 mit Mindestvorschriften zum Mutterschutz tritt in Kraft.
Mai 1993
Das Bundesverfassungsgericht entscheidet (§218 ff. StGB), dass ein Schwangerschaftsabbruch zwar rechtswidrig ist, aber nach einer Schwangerschaftskonfliktberatung in einer anerkannten Beratungsstelle im Zeitraum von 12 Wochen nach der Empfängnis straffrei bleibt.
1993
Mit dem Gesetz zur Änderung des Mutterschutzgesetzes wird der Kündigungsschutz verbessert.
Juli 1997
Inkrafttreten des neugefassten § 177 Strafgesetzbuch, wonach Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wird.
Nov. 1997
Das Gesetz zur Änderung ausländer- und asylverfahrensrechtlicher Vorschriften enthält eine verbesserte Härtefallregelung und ermöglicht ausländischen Ehefrauen, die Opfer ehelicher Gewalt wurden, ein eigenständiges Aufenthaltsrecht.
1. Juli 1998
Reform des Kindschaftsrechtes: Nichteheliche Kinder sind ehelichen Kinder gleichgestellt in bezug auf Abstammungs-, Sorge- und Umgangsrecht, Adoptions-, Namens-, Erb- und Unterhaltsrecht.
August 2001
Lebenspartnerschaftsgesetz für homosexuelle Paare tritt in Kraft
1. Jan. 2002
Das Gewaltschutzgesetz tritt in Kraft: Das Gesetz ermöglicht den Opfern häuslicher Gewalt, den Täter zeitlich befristet oder dauerhaft der gemeinsamen Wohnung zu verweisen. Das Zivilgericht kann dem Peiniger bei Strafe verbieten, sich der Wohnung oder dem Opfer zu nähern. Damit kann die betroffene Frau den gewohnten Lebensraum für sich - und gegebenenfalls die Kinder - allein beanspruchen.

Arbeitsrechte und Mutterschutz

 
1878
In einer Novelle zur Gewerbeordnung wird der Mutterschutz erstmalig geregelt (Beschäftigungsverbot für die Dauer von drei Wochen nach der Niederkunft, unbezahlt).
1891
Erstes Arbeiterinnenschutzgesetz im Reichstag; Frauenarbeit unter Tage wird verboten, der 11-Stunden-Tag für Frauen sowie vier Wochen bezahlte Ruhepause nach der Entbindung werden eingeführt. Am 12. März wird in einer Reichstagssitzung die Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium verweigert.
1923
Heimarbeiterinnen bekommen besseren Schutz durch das Heimarbeitslohngesetz
1924
Garantie der Sozialversicherung für Heimarbeiterinnen
1927
Gesetz für Mutterschutz und Wöchnerinnenfürsorge
1. Okt. 1950
In der DDR tritt das “Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau” in Kraft. Über 500 Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches wurden damit aufgehoben. An der Formulierung des ersten und einzigen "Frauengesetzes" in der Geschichte der DDR war u.a. die SED-Politikerin Käthe Kern beteiligt, die auch 1948/49 in der Verfassungskommision mitgearbeitet hatte.
1951
In der DDR läuft das Programm für mehr Kindereinrichtungen und für die gesundheitliche Betreuung von Mutter und Kind an.
Jan. 1952
Das Mutterschutzgesetz (Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter): Einheitliche Schutzfristen für berufstätige werdende Mütter von je sechs Wochen vor und nach der Geburt
Juni 1954
Verordnung über den Mutterschutz für Beamtinnen
1965
Gesetz zur Änderung der Reichsversicherungsordnung: Auf Antrag können versicherte Frauen mit Vollendung des 60sten Lebensjahres Altersruhegeld beziehen.
1965
Zwischen 1965 (Druckindustrie) und 1983 (Landwirtschaft) schlossen die Tarifparteien Verträge zur Einführung der 40-Stunden-Woche.
1966
Bericht der Bundesregierung über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft: Darin heißt es unter anderem “Pflegerin und Trösterin soll die Frau sein; Sinnbild bescheidener Harmonie, Ordnungsfaktor in der einzig verlässlichen Welt des Privaten; Erwerbstätigkeit und gesellschaftliches Engagement sollte die Frau nur eingehen, wenn es die familiären Anforderungen zulassen.”
April 1968
Mutterschutzgesetz (Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mütter): Die Schutzfrist nach der Entbindung wird im Regelfall von 6 auf 8 Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten auf 12 Wochen verlängert.
April 1979
Gesetz zur Einführung eines Mutterschaftsurlaubs: Mütter im Arbeitverhältnis erhalten zusätzlich zu bisherigen Schutzfristen (sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt) einen viermonatigen Mutterschaftsurlaub. Ein Kündigungsverbot sichert den Arbeitsplatz. Lohnersatzleistungen (bis zu 750 DM monatlich) werden aus Bundesmitteln bezahlt.
August 1980
Arbeitsrechtliches EG-Anpassungsgesetz (Gesetz über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz und über die Erhaltung von Ansprüchen bei Betriebsübergang):
  • Der Grundsatz der Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz bei der Begründung, Durchführung und Beendigung des Arbeitsverhältnisses wird als Rechtsanspruch im BGB festgeschrieben, ebenso der Anspruch auf gleiches Entgelt.
  • Gebot geschlechtsneutraler Stellenausschreibungen, Aushängung der Vorschriften im Betrieb.
  • Beweislast liegt beim Arbeitgeber, wenn vom Arbeitnehmer bzw. von der Arbeitnehmerin Tatsachen glaubhaft gemacht werden, die eine Benachteiligung wegen des Geschlechts vermuten lassen.
Nov. 1980
Änderung der Bundeslaufbahnverordnung: Das Eintrittsalters in den Öffentlichen Dienst wird für Frauen, die wegen der Erziehung von Kindern ihre Ausbildung unterbrechen mussten, erhöht.
Mai 1985
Beschäftigungsförderungsgesetz:
  • Erleichterung des Zugangs zu Maßnahmen der Umschulung und Fortbildung für Frauen, die wegen Kindererziehung zeitweise aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind.
  • Teilzeitarbeit wird arbeitsrechtlich ebenso abgesichert wie Vollzeitarbeit, d.h. Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte dürfen nicht mehr unterschiedlich behandelt werden, außer wenn sachliche Gründe dies rechtfertigen. Neue Bestimmungen sichern die besonders von Frauen wahrgenommene Arbeit auf Abruf und die Arbeitsplatzteilung besser ab.
1990
Beitritt der DDR zur BRD: Die Gesetzlichen Regelungen, die seit mehr als 40 Jahren in den beiden deutschen Staaten unterschiedlich ausgestaltet waren, werden im Einigungsvertrag vereinheitlicht. Vor allem der § 218ff rückt wieder in den Blickpunkt, da in der DDR die Fristenregelung galt. Weitreichende Errungenschaften der ehemaligen DDR wie die hohe Frauenerwerbsquote werden nicht gehalten.
22. Jan. 1992
Bundesverfassungsgericht hebt das Nachtarbeitsverbot für Frauen im gewerblichen Bereich in der Bundesrepublik Deutschland auf
Jan. 2002
Gesetz zur Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation der Prostituierten
Juni 2002
Neufassung des Mutterschutzgesetztes: Die Mutterschutzfrist bei einer vorzeitigen Entbindung werden verbessert und damit eine Lücke gegenüber der EG-Mutterschutz-Richtlinie 92/85 geschlossen. Seit dem 20. Juni 2002 gibt es einen Anspruch auf eine Mutterschutzfrist von insgesamt mindestens 14 Wochen auch wenn das Kind vor dem berechneten Geburtstermin zur Welt kommt. Das Gesetz stellt darüber hinaus erstmals klar, dass Mutterschutzfristen und andere Beschäftigungsverbote für schwangere Frauen und Mütter bei der Berechnung des Jahresurlaubs wie Beschäftigungszeiten zählen.

Gleichstellung in Bildungs- und Berufsperspektiven

 
1901
Baden ist das erste Land, in dem Mädchen höhere Jungenschulen besuchen und sich an Hochschulen unter den gleichen Bedingungen wie Männer immatrikulieren können.
1913
An allen Hochschulen in Deutschland studieren 3.900 Studentinnen, das sind 4,3% aller Studierenden.
1922
Frauen dürfen in den Justizdienst eintreten
National-
sozialismus
Frauen verloren die Zulassung zur Habilitation, zum Richterinnenamt und als Rechtsanwältinnen, Frauenanteil bei den Studierenden wird auf 10% festgelegt (Numerus Clausus).
1. Okt. 1950
In der DDR tritt das “Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau” in Kraft. Über 500 Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches wurden damit aufgehoben. An der Formulierung des ersten und einzigen "Frauengesetzes" in der Geschichte der DDR war u.a. die SED-Politikerin Käthe Kern beteiligt, die auch 1948/49 in der Verfassungskommision mitgearbeitet hatte.
1955
Verbot von Frauenlohngruppen. Dafür wurden Leichtlohngruppen (darunter fielen alle Arbeiten, für die keine Körperkraft eingesetzt werden musste) eingesetzt, denen fast ausschließlich Frauen angehörten.
1956
Das Bundesgesetz, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit für Männer und Frauen garantieren soll, tritt in Kraft.
Nov. 1961
Mit der Juristin Dr. Elisabeth Schwarzhaupt wird erstmals eine Frau Bundesministerin der Bundesrepublik Deutschland (Bundesministerium für Gesundheit).
1971
Empfehlung des Bundeskanzlers Willy Brandt an die Bundesministerien zur Beschäftigung von Frauen im Öffentlichen Dienst, insbesondere zur vermehrten Einstellung von Beamtinnen und Angestellten im höheren und gehobenen Dienst.
Dez. 1972
Mit Annemarie Renger wird erstmals eine Frau Bundestagspräsidentin.
August 1975
Bundeswehr öffnet Offizierslaufbahn im Sanitätsdienst für Frauen.
1982
Lie Selter wird die bundesweit erste kommunale Gleichstellungsbeauftragte.
Nov. 1985
Drittes Gesetz zur Änderung des Hochschulrahmengesetzes: Hochschulen müssen künftig auf die Beseitigung der für Wissenschaftlerinnen bestehenden Nachteile hinwirken.
Jan. 1991
Die Bundeswehr öffnet alle Laufbahnen des Sanitätsdienstes und des Militärmusikdienstes für Frauen.
1993
Mit Heide Simonis wird erstmals eine Frau Ministerpräsidentin eines Bundeslandes.
1. Sept. 1994
Das Zweite Gleichberechtigungsgesetz tritt in Kraft. Es hat folgende Schwerpunkte:
  • Gesetz zur Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundesverwaltung und den Gerichten des Bundes (Frauenfördergesetz)
  • Verschärfung des Verbotes der Benachteiligung wegen des Geschlechts im Arbeitsleben
  • Erweiterte Mitwirkungsrechte von Betriebsrat und Personalrat bei der Frauenförderung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Gesetz zum Schutz der Beschäftigten vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz (Beschäftigtenschutzgesetz)
  • Gesetz über die Berufung und Entsendung von Frauen und Männern in Gremien im Einflussbereich des Bundes (Bundesgremienbesetzungsgesetz)
Jan. 2000
Urteil des Europäischen Gerichtshofs erklärt gesetzliche Regelungen der Bundesregierung, die Frauen vom freiwilligen Dienst mit der Waffe in der Bundeswehr auszuschließen, für unvereinbar mit der europäischen Gleichbehandlungsrichtlinie 76/207/EWG
Jan. 2001
Vom 1. Januar an können Frauen auch Dienst mit der Waffe leisten. Der Gesetzgeber folgt damit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei der Bundeswehr. Bisher war der Fraueneinsatz auf den Sanitäts- oder Militärmusikdienst beschränkt.
22. Nov. 2005
Mit Angela Merkel wird erstmals eine Frau Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.

Institutionelle Verankerung der Gleichberechtigung

 
1945
In ihrer Gründungserklärung verpflichten sich die Vereinten Nationen “die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache und der Religion zu fördern und zu festigen ...” (Charta, Art. 1)
1946
Die Kommission für die Rechtstellung der Frau (Commission on the Status of Woman-CSW) wird vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ins Leben gerufen.
18. Jan 1949
”Männer und Frauen sind gleichberechtigt” – Der Gleichberechtigungsartikel (Artikel 3, Absatz 2) im Bundesdeutschen Grundgesetz wird nach zweimaliger Ablehnung unter dem Druck der weiblichen Öffentlichkeit angenommen. Insbesondere die Juristin Dr. Elisabeth Selbert (1896 – 1986) hatte sich für die Verankerung des Gleichstellungsgrundsatzes der Frau im Grundgesetz eingesetzt. Das Gesetz tritt am 23. Mai in Kraft.
30. Mai 1949
"Mann und Frau sind gleichberechtigt" – Ohne Widerstände wurde der Gleichberechtigungsgrundsatz als Artikel 7 in der Verfassung der DDR festgeschrieben und vom Deutschen Volkskongress verabschiedet.
1950
Das Bundesministerium des Inneren richtet ein “Referat für Verfassungsrechtliche Belange der Frauen” ein.
20. Dez. 1952
Konvention über die politischen Rechte von Frauen (UNO)
April 1953
Gemäß Artikel 117 Absatz 1 des Grundgesetzes tritt das dem Verfassungsgrundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau entgegenstehende Recht außer Kraft.
1966
Bericht der Bundesregierung über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft: Darin heißt es unter anderem “Pflegerin und Trösterin soll die Frau sein; Sinnbild bescheidener Harmonie, Ordnungsfaktor in der einzig verlässlichen Welt des Privaten; Erwerbstätigkeit und gesellschaftliches Engagement sollte die Frau nur eingehen, wenn es die familiären Anforderungen zulassen.”
Dez. 1972
Das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit erhält die Zuständigkeit für Frauenpolitik und richtet ein entsprechendes Referat “Politik für Frauen” ein.
1973
Der Deutsche Bundestag setzt mit den Stimmen aller Fraktionen die Enquetkommission “Frau und Gesellschaft” ein.
Juli 1979
Der Arbeitsstab Frauenpolitik des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit nimmt Tätigkeit auf.
Juli 1980
Die Bundesregierung unterzeichnet bei der 2. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen das Übereinkommen vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Dieses Übereinkommen enthält das Verbot aller Diskriminierungen von Frauen und Männern wegen des Geschlechts sowie die Verpflichtung der Vertragsstaaten, wirksame Maßnahmen zum Abbau rechtlicher und tatsächlicher Ungleichheiten zu ergreifen.
Mai 1985
Das Gesetz zum UN-Übereinkommen vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau tritt in Kraft.
1986
Das Bundesministerium für Frauen, Familie und Gesundheit wird eingerichtet, eine Frauenförderungsleitlinie verabschiedet.
April 1988
Erster Informeller Frauenministerrat der Europäischen Gemeinschaft (EG) in der Bundesrepublik Deutschland
1989
Frauenförderung wird im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgeschrieben
27. Nov. 1994
Das Gleichberechtigungsgebot in Artikel 3 Absatz 2 Grundgesetz wird ergänzt: “Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.”
Okt. 1994
Frauenbeauftragten-Wahlverordnung
Mai 1995
Frauenförderstatistikverordnung
Juni 1997
Beschluss des Europäischen Rates in Amsterdam
  • Zielsetzung der Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird in Art. 2 und 3 EG-Vertrag festgeschrieben.
  • In Art. 119 EG-Vertrag wird der Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher Arbeit um gleichwertige Arbeit erweitert.
Juni 1999
Durch die Beschlüsse der Weltfrauenkonferenz in Peking und durch den Amsterdamer Vertrag wurde die Bundesregierung verpflichtet, Gender Mainstreaming als Strategie und Methode zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern einzuführen. Das Bundeskabinett bekannte sich zu dieser Verpflichtung in seinem Beschluss vom 23. Juni 1999.
15. Jan. 2002
Bundesrepublik Deutschland ratifiziert das Fakultativprotokoll zum UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau ("Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination Against Women", CEDAW).
  • Frauen und Frauenrechtsorganisationen können sich künftig mit einer Beschwerde bei angenommenen Verstößen gegen die Bestimmungen des UN-Frauenrechts-Übereinkommens nach Ausschöpfung des innerstaatlichen Rechtsweges an den CEDAW-Ausschuss wenden.
  • Der UN-Ausschuss kann selbst Untersuchungen einleiten, wenn er Anhaltspunkte dafür hat, dass ein Vertragsstaat schwerwiegend oder systematisch Menschenrechte von Frauen verletzt.